Vor sechs Jahren erschien der erste Online-Ableger der „The Elder Scrolls“-Reihe. Mit „The Elder Scrolls Online“, kurz TESO, wurde die MMO-Welt um einen Titel in Tamriel erweitert. Geschichtlich spielt das ganze knapp 1000 Jahre vor den Geschehnissen in Skyrim. Damals habe ich mich mit Begeisterung auf den Titel gestürzt und Tamriel erkundet. Zugegeben – ich war skeptisch, ob das Prinzip eines Singleplayers in einen MMO aufgehen kann. Bekannterweise stand die Elder Scrolls Marke immer für qualitativ hochwertige Rollenspiel Erfahrung. Schaut man auf die vielen verschiedenen Bewertungen, so konnte The Elder Scrolls Online seinerzeit überzeugen. Doch gelingt das auch nach mittlerweile sechs Jahren und drei zusätzlichen Kapiteln?
Bleibt zu Beginn einmal zu klären, was genau diese Kapitel sind. Das ist tatsächlich sehr einfach zu erklären: Bei den Kapiteln handelt es sich um die größeren Erweiterungen der Geschichte von „The Elder Scrolls Online“. Während MMOs wie zum Beispiel World of Warcraft so etwas als Addon betitelt, nutzt TESO hier den Begriff Kapitel. In meinen Augen durchaus korrekt und auch irgendwie sympathisch. Zumal es sich bei den ganzen Quests durchweg Qualität findet und sie immer eine Geschichte erzählen. Nur in den seltensten Fällen habe ich Quests nach dem Format „Hol und bring“ entdeckt. Jede Quest ist eine eigene kleine Geschichte, die uns tiefer in die Welt von Tamriel und ihrer Umgebung eintauchen lässt.
Doch wie schafft es ein Spiel, das seinen Ursprung im Singleplayer hat und immer viel Wert auf die Präsenz des eigenen Spielers setzt dies in einem MMO umzusetzen? Die Grundgeschichte beginnt knapp tausend Jahre vor den Geschehnissen in Skyrim. Jeder Spieler erwacht hierbei in Kalthafen, der Domäne, also dem Reich, des daedrischen Prinzen Molag Bal. Wir sind Entseelt, haben also unsere Seele an ihn verloren. Und so wie uns geht es eben einigen tausend anderen Entseelten. Dennoch merkt man der Hauptgeschichte an, dass sich diese eher um einen einzelnen Spieler dreht, anstatt um viele. Doch das bringt der Geschichte gar keinen Abbruch. Und auch nach sechs Jahren überzeugt das Grundspiel hier! Ergänzt wird diese Geschichte immer wieder durch DLCs, wobei diese verschiedene Inhalte liefern. Mal mehr für PVP, mal für die Storybegeisterten.
Insgesamt schaffte das Spiel immer gute Bewertungen. Doch der anfängliche Hype ging leider – zumindest bei mir und Freunden – verloren. Man hatte das Spiel gespielt, vielleicht sogar die Hauptgeschichte durchgespielt, aber war immer an die eigene Fraktion gebunden. Erst wenn man die Hauptgeschichte durch hatte, durfte man die Fraktion wechseln – aber auch hier erstmal wieder nur eine. Dort behielt man das Level und konnte dann die Geschichte der Fraktion durchspielen. Das war uns und auch anderen zu wenig. Doch am 5. Oktober 2016 sollte sich das ändern – mit dem großen Update „One Tamriel“ wurden die Grenzen aufgelöst und man konnte zu jederzeit in jedem Gebiet questen – sogar unabhängig vom eigenen Level. Seit dem Update werden die Gegnerstufen immer dem eigenen Level angepasst, sodass die vollkommene Freiheit des eigenen Spiels gegeben ist.
Meiner Ansicht nach gewann „The Elder Scrolls Online“ mit dem Update One Tamriel Unmengen an Anreize dazu. So ist es nicht mehr notwendig, mit einem Low-Level Charakter erstmal die Hauptgeschichte zu spielen um die Kapitel rund um Morrorwind, Summerset oder Elsweyr zu entdecken. Auch das kommende Kapitel „Greymoor“ ist dadurch für jeden sofort spielbar, wenn man sich das Kapitel gekauft hat. Auch wenn man keines der Kapitel hat, wird man nicht drumherum kommen, die gute Vertonung zu genießen. Das mag auf der einen Seite durch die großartigen Sprecher wie Thomas Danneberg (deutsche Synchronstimme von John Travolta) oder Martin Keßler (Nicholas Cage) geschehen, aber auch die übersetzten Texte sind durchgehend gut und begeistern, wie es seit Jahren kein anderes MMO konnte.
Mit verschiedenen DLCs fanden dann auch neben den von Beginn an dabei gewesenen Magier- und Kriegergilde auch andere ihren Platz in Tamriel – und lieferten umgehend ebenso komplette Queststränge, die zu überzeugen wissen. Mittlerweile darf man sich der Dunklen Bruderschaft anschließen oder durch die Diebesgilde das Hab und Gut von ganz Tamriel sein eigenen nennen. Die Unerschrockenen, die Magiergilde, die Kriegergilde, die Dunkle Bruderschaft und die Diebesgilde warten alle samt mit Quests und Belohnungen auf die Spieler.
Es ist sogar empfehlenswert, jeder dieser Questreihen Zeit zu widmen, um somit Fertigkeitslinien freizuschalten. Auch hier erobert TESO durch seine Andersartigkeit die Herzen. Auf der einen Seite behält es Learning by Using bei, dass man auch aus den Elder Scrolls Singleplayerteilen kennt. Auf der anderen Seite ergänzt es das System durch Fertigkeitspunkte und begrenzt somit die Auswahl dessen, was man lernen kann. Ein Magier, der mit der Axt ebenso gut umgehen kann, wie mit den Zaubern? Durchaus möglich. Wenn man den Sinn und Unsinn von Kombinationen außer Acht lässt, kann man in TESO alles sein, was die eigene Fantasie hergibt. Hauptsache Spielspaß! Das Prinzip wirkt.
Ebenso sind die Handwerksberufe – welche auch die benannten Fertigkseitspunkte benötigen – schön umgesetzt und motivieren, sich damit zu beschäftigen. Ganz gleich ob Alchemie, Holzbearbeitung oder Schmieden – eine Beschäftigung findet damit jeder! Und die täglichen Handwerksaufgaben winken außerdem mit zusätzlichem Material und Belohnungen, was das Skillen einfacher und schöner gestaltet.
Großartig ist ebenso, dass die Welt sich um uns herum je nach Quest und diversen Entscheidungen auch verändert. War ein Dorf soeben noch von bösartigen Daedra besetzt, so befreien wir es gemeinsam mit der könglichen Armee. Nach Abschluss der Questreihe sehen wir, wie sich die Leute wieder dort niederlassen. Eventuell gibt es sogar sinnvolle Folgequests. Solche Sahcen findet man immer wieder in TESO und sie ziehen einen in den Bann. Für manche Questreihen muss man sich jedoch aufmerksam umsehen oder umhören – nicht jede Quest, insbesondere die Nebenquests, springen einem direkt ins Gesicht! Doch das Suchen nach eben solchen lohnt sich, denn nicht selten werden wir mit schönen und tief gehenden Geschichten belohnt! Auch auf die Rassen wird dabei Rücksicht genommen – wer wollte nicht schon immer als Orc der Anführer eines Clans werden? Anderen Rassen ist das verwehrt, wenngleich der Weg dahin der gleiche sein kann.
So oder so lohnt sich TESO noch immer! Die Geschichte wird sinnvoll erweitert und wiederkehrende Charaktere nehmen sogar auf vergangenes Bezug, wenn sie uns bereits kennen. Hat man zu Beginn von TESO mit gewissen Charakteren zu tun gehabt, so finden diese sich auch in den Kapiteln wieder und erinnern sich an das, was gewesen ist. Oder was wir eventuell entschieden haben! Das ist eine Art mit Erweiterungen umzugehen, wie ich sie so noch in keinem MMO gefunden habe. Darüber hinaus bietet TESO mir die Möglichkeit, sowohl alleine als auch mit Freunden unterwegs zu sein ohne mir ein Abomodell aufzuzwingen. Sicherlich bringt das Abo durchaus Vorteile, wie zum Beispiel einen Handwerksbeutel mit unendlichen Limit für Ressourcen, aber auch ohne diesen kann ich The Elder Scrolls Online mit all seinen Kapiteln erkunden. Die DLCs sind im Abo gratis dabei, können aber auch gegen die Echtgeldwährung „Kronen“ Ingame gekauft werden. Dann können diese auch ohne dazugehöriges Abo genutzt und gespielt werden.
Für mich bedeutet das abschließend, dass ich mit Vorfreude und Spannung auf das am 18. Mai erscheinende Kapitel Greymoor blicke. In diesem werden wir uns einem Vampirfürsten stellen und Skyrim auf einer anderen Art erneut erkunden – nur etwa tausend Jahre vor den Geschehnissen aus Skyrim. Und wer jetzt noch loslegen möchte, kann das dank Levelanpassung und Phasing bedenkenlos machen.
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