Ich bin ein Fan von Spielen wie Freelancer seinerzeit oder auch EVE Online. Die Möglichkeiten sind faszinierend und begeisterten mich über Wochen. Avorion sah so aus, als ob es diese Faszination wieder wecken könnte. Die Möglichkeit, seine Schiffe selbst zu gestalten. Eigene Raumstationen. Flotten. All das verspricht Avorion jenen, die bereit sind, sich in diese Welten zu stürzen. Doch gleichzeitig liegt ein Stück Zweifel auf meiner Freude – Jahrelange Entwicklung; erst nur ein einzelner Student, dann eine kleine Gruppe als Entwicklerteam. Kann so etwas meine Freude wirklich erfüllen? Hat Avorion das Potenzial, mich stundenlang zu fesseln?
Das Ziel, welches sich Entwickler Boxelware da gesetzt hat, ist ambitioniert. Wirkt in der heutigen Zeit der Spieleentwicklung vielleicht auch etwas zu groß. Ein Weltraumbaukaste, der Spielern alle Freiheiten ermöglicht. Geht so etwas? Gleich vorne weg: JA es geht. Boxelware hat es grandios bewiesen! Viele verschiedene Fraktionen, Handel, Piraten und eine schöne Wirtschaft begleiten den Spieler viele Stunden. Doch bleiben wir am Anfang: Zu Beginn startet man mit einer einzelnen Drohne in einen sicheren Bereich. Diese Bereiche sind durch besondere NSC-Schiffe gesichert, sodass Piraten, wenn sie denn doch einmal in den Sektor fliegen.
Neben der Wirtschaft, den Piraten, der Diplomatie mit den Fraktionen und den Bau eigener Schiffe und Stationen, liefert Avorion auch eine simple Story: Wir müssen das Zentrum der Galaxie erreichen. Dies allerdings wurde durch die Alien-Rasse Xsotan versperrt und kann nur durch einen Antrieb aus Avorion erreicht werden. Also beginnt unsere Reise damit, dass wir ein eigenes Schiff bauen, um in die tieferen Bereiche des Alls vorzustoßen und immer bessere Ressourcen zu finden.
Doch der Weg dahin ist lang und führt durch eine prozedural generierte Galaxie. Diese ist eingeteilt in 1000 x 1000 Sektoren, die mit einem Hyperantrieb bereist werden. Während am Anfang nur wenige dieser Sektoren zeitgleich bereist werden können, ist es mit verbesserten Antrieben auch möglich, mehrere davon zu überspringen. Doch beim Ausbau des Schiffes ist auch die Bewaffnung sehr wichtig: Je näher das Zentrum kommt, desto stärker werden Gegner wie Aliens (meistens Xsotan), Piraten oder auch feindliche NSC-Fraktionen. Daneben gibt es in manchen Sektoren Bosse, welche nicht nur mit besonders starken Schiffen auflaufen, sondern auch mit Begleitern. Daher wird entweder eine kleine Flotte, ein großes Schiff oder ein Freund im Koop- oder Onlinemodus benötigt.
Damit es gelingt, weiter voranzukommen, ist es wichtig, den richtigen Kreislauf aus Vorstoß und Ausbau zu finden. Damit das allerdings gelingt, braucht es Credits und Rohstoffe. Mit diesen können die Schiffe ausgebaut und neue Geschütztürme und Upgrades besorgt werden. Diese sind unterteilt in verschiedenen Stärken und Seltenheitsgraden. Das ist ähnlich wie in vielen Rollenspielen und mit entsprechenden Farbcode eingeteilt. Bestimmte Geschütze helfen dabei besser gegen Schilde, während andere die Panzerung schneller runterschießen. Auch bei den Upgrades gibt es Unterschiede – mal verbessert ein Handels-Upgrade die Informationen, die wir von Stationen zur Preisentwicklung erhalten. Oder wir erweitern unseren Hyperantrieb und vergrößern die Reichweite.
Wem es bis hierher noch nicht bewusst ist: Avorion ist riesig! Ihr könnt alles sein in diesem Spiel – ganz gleich, ob gehandelt, gekämpft oder nur gebaut wird. Auch eine ganz eigene Flotte kann gebildet werden, welche dann natürlich mit Aufgaben gefüttert werden möchte. Zwar wechselt ein Schiff ohne Befehl keinen Sektor, aber es ist möglich, eine Liste an Befehlen mitzugeben, sodass das Schiff diese abarbeitet. Mit diesen Flotten ist es dann natürlich auch möglich, ganze Kriege gegen Fraktionen zu führen. Oder wir bauen ein eigenes Imperium an Handelsflotten mit eigenen Stationen auf.
Sowohl beim Bau von Schiffen als auch von Stationen kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Das ist in meinen Augen eine besondere Stärke von Avorion – kann aber auch für jeden persönlich zur Schwäche werden. So hatte ich mehr als nur eine Runde, in der ich nur kurz mein Schiffsmodell im Kreativmodus aufbauen wollte. Das Spiel bietet die Möglichkeit, einmal gebaute Schiffe abzuspeichern und sogar in den Steam Workshop hochzuladen. Oder eben herunterzuladen. So kann man im Kreativmodus im Singleplayer Schiffe bauen, um diese dann später auf einem Server mit einer bekannten Ressourcenanforderung nachbauen. Das Schwierige: Mal eben schnell wird so ein Modell bei den größeren Schiffen nicht zusammengezimmert. So habe ich Nachmittags begonnen und plötzlich war es Mitternacht. Das Schiff aber noch immer nicht fertig.
Beim Ausbau muss auf viele Kleinigkeiten geachtet werden. So brauchen alle Komponenten im Schiff Energie, welche erzeugt werden möchte. Doch je mehr Generatoren im Schiff verbaut sind, desto mehr Crewmitglieder werden benötigt. Diese benötigen Crewquartiere, um Platz zu haben. Schwierig wird es dann bei größeren Schiffen mit der Ausrichtung, dem Schub und der Bremskraft. Sicherlich ist es praktisch, wenn ein Schiff gut beschleunigt und eine hohe Maximalgeschwindigkeit hat. Andererseits muss diese auch wieder heruntergebremst werden. So kommt neben dem Management von Flotten und später Stationen auch immer der Balanceakt beim Bau.
Insgesamt ist Avorion ein riesiges Abenteuer, das zwischenzeitlich etwas abflacht, wenn es an das Sammeln von Ressourcen geht. Das kann schnell eintönig werden. Hat man das aber überwunden, kann man in dieser Welt seine ganz eigenen Geschichten entdecken. Insbesondere gemeinsam mit einem oder mehreren Freunden kann daraus sehr schnell ein richtiges Abenteuer werden. So können gemeinsam fiese Bosse angegriffen und besiegt werden oder Stück für Stück das Universum bis zum Zentrum der Galaxie entdeckt werden.
Und nach Stunden in der Welt von Avorion, weiß ich bereits jetzt, dass ich noch weitere Stunden in Avorion zubringen werde. Etwas, dass ich nur jedem mit einem Hauch Interesse an Spielen mit viel Freiheit und Möglichkeiten im Sci-Fi Bereich empfehlen kann!








