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Freitag, Februar 28, 2025

Review: Star Wars Jedi: Fallen Order – Möge die Macht in diesem Abenteuer mit dir sein!

„Die Zeit ist gekommen! Führt die Order 66 aus!“

Jeder, der sich auch nur etwas mit Star Wars beschäftigt, kennt diesen Satz. Mit ihm begann eine Operation in der bekannten weit, weit entfernten Galaxis, an deren Ende die Jedi nicht mehr als ein Hauch ihrer Selbst waren. Die meisten waren tot und nur wenige überlebten. Dabei setzt das Spiel hier wahrlich auf „Old-School“ – ganz ohne Season Pass, Skin-Shop, DLC-Roadmap oder besonderen Missionen. Star Wars Jedi: Fallen Order will kein Service Game sein, sondern ein ganz einfaches Story-Abenteuer. Dies bemerkt man bereits beim Hauptmenü, denn hier wird auch auf jede Besonderheit verzichtet und wir erhalten die Möglichkeit unsere Reise zu starten oder die Optionen auszuwählen. Bitte beachtet, dass im folgenden Spoiler auftreten könnten!

Zwischen 15 bis 30 Stunden können dabei für die Spielzeit drauf gehen, in der wir den Jedi-Padawan Cal Kestis über ein paar Planeten begleiten und die Terrorherrschaft des Imperiums hautnahe miterleben. Während dieser Reise lernen wir auch den Umgang mit der Macht und dem Lichtschwert und kämpfen für und an der Seite unserer Gefährten – manche davon sind sogar aus Filmen oder Serien bekannt. Die gesamte Spielzeit über spürt man die Grundpfeiler des Spiels, wobei die Story hier ganz klar im Vordergrund liegt.

Und Star Wars Jedi: Fallen Order ist dabei ein verdammt gutes Star-Wars-Spiel! Der Geschichte gelingt es, emotionale Bindungen zwischen dem Spieler und dem Charakter aufzubauen. Man kann Entscheidungen oder auch Reaktionen zum Teil vollständig nachvollziehen. So zum Beispiel auch ganz am Anfang: Nachdem wir Cal und seinen Arbeitskollegen und Freund Prauf etwas auf dem Schrottplatz repariert haben und Greifer wieder funktionieren kommt es zu einem Zwischenfall – nur durch Einsatz der Macht können wir Prauf retten. Somit ist unsere Tarnung, welche seit 5 Jahren anhält, aufgeflogen und jemand hat gemerkt, dass Cal ein Jedi ist. Prauf verspricht aber, dass er es für sich behält. Als dann aber die Inquisition des Imperiums auftaucht und damit droht, jeden umzubringen, wenn sich der Jedi nicht zu erkennen gibt, greift Prauf ein und hält eine kurze Rede – welche von der Inquisitorin „Zweite Schwester“ durch das Töten von Prauf unterbrochen wird. Cal wird von Emotionen übermannt und offenbart durch das Führen des Lichtschwertes seine Identität und ist zur Flucht gezwungen.

Damit beginnt auch das eigentliche Spiel, welches bereits in diesen ersten Minuten seine düstere Atmosphäre erahnen lässt. Auch die emotionale Ebene wird in mehr als nur dieser einen Situation berührt und hat mich mehr als einmal dazu gebracht, länger als geplant zu spielen, nur damit ich die folgenden Schritte und Situationen kennen lerne. Während dieser Flucht lernen wir dann Cere und Greez kennen; die zwei kämpfen gegen das Imperium und versuchen ein Artefakt zu finden, mit dem der Kampf einfacher werden sollte. Mit diesen fliehen wir von Bracca und erforschen ab diesem Zeitpunkt immer mehr Planeten. Auf dem ersten davon lernen wir dann unseren ständigen Begleiter, den kleinen Droiden BD-1 kennen.

Sicherlich mag die Story auf den ein oder anderen so wirken, als wäre sie schon mal da gewesen; Order 66, Paladin überlebt diese und ihm gelingt die Flucht. Und was soll ich sagen? Ja, das gab es schon. Zum Beispiel in der Animationsserie „Star Wars: Rebels“ oder auch in den Büchern. In Episode 4 heißt es, Luke sei der letzte Jedi-Sprössling – doch wie kann das sein? Aber das interessiert Star Wars Jedi: Fallen Order gar nicht – denn hier zählt nicht, dass die Geschichte revolutionär und neu ist, sondern wie sie erzählt wird. In jeder Sekunde ist der innere Kampf von Cal Kestis greifbar, man spürt diesen und fühlt mit. So gibt es zum Beispiel auf dem Planeten Ilum eine Szene, in welcher die Verzweiflung von Cal glaubwürdig transportiert wird. Situationen wie diese sind es, die jeden Charakter eine eigene Tiefe und auch Kanten versetzen. Der innere Konflikt geht nicht verloren, ist allgegenwärtig und bringt die dunkle Seite der Order 66 und ihrer Folgen näher. Kombiniert wird dies durch Rückblenden, in denen man Cal als Padawan spielt und verschiedene Parcours durchführen muss. Ist man hier erfolgreich – was keine Option ist sondern ein Muss – erhält man mit Cal in der Gegenwart neue Fähigkeiten. Dabei unterscheidet das Spiel zwischen „Verlangsamen“, „Wegstoßen“, „Magnet“ und einen verbesserten Sprung. Zeitgleich erfährt man hier mehr über die Verbindung zwischen Cal und seinem Meister. Dies wird langsam aufgebaut und immer mehr vertieft, bis zu dem Moment, wo die Order 66 gegeben wird und Cal und sein Meister fliehen müssen.

Der kleine Droide BD-1 ist im Spielverlauf allerdings mehr als nur nette Begleiterscheinung. Mit ihm können wir Seilrutschen hinunter und später auch wieder hinaufrutschen. BD-1 kann zudem Hacken und Kisten öffnen oder später auch feindliche Droiden zu unseren Gunsten manipulieren. Auch versorgt er Cal mit Stims zum Auffrischen der eigenen Lebensenergie. Die einzelnen Fähigkeiten müssen allerdings durch das finden von Upgrades freigeschaltet werden – nicht alle findet man durch einfaches durchrennen durch die Story! Und sind die Kämpfe mal zu schwer, hilft es, mit BD-1 tote Gegner oder auch die örtliche Flora und Fauna zu scannen. Dann wird eine umfangreiche Datenbank gefüllt, welche neben den Daten zu den Feinden auch eine auflistung der Schwächen und Stärken sowie die empfohlenen Angriffsmuster bereit hält.

Diese sind auch notwendig – insbesondere wenn man auf höheren Schwierigkeitsgeraden spiel, sind die Angriffsmuster ein Must-Have. Die Gegner sind knackig, insbesondere die als Bossmonster gedacht sind. Hier spielt Star Wars Jedi: Fallen Order viele Stärken aus und zeigt, das einfaches Herumgeklicke nicht zum Ziel führt. Wir müssen hier die Macht und auch die Lichtschwertangriffe kombiniert einsetzen. Im späteren Spielverlauf verbessern wir unser Lichtschwert zudem immer weiter, sodass auch ein Doppellichtschwert oder temporäre Zwei Schwerter daraus werden. Neben dem Lichtschwert und den Machtfähigkeiten lernen wir dann noch verschiedene Angriffsfertigkeiten, die wir über Tastenkombinationen auslösen, wie zum Beispiel den Lichtschwertwurf.

Eine weitere Größe mit geringen Kritikpunkten sind die Planeten. Jeder hier hat seine eigene Geschichte, die wir durch Nebenobjekte entdecken und erfahren können. Damit erweitern wir nicht nur das Wissen über die dortigen Charaktere oder die Geschichte des Planeten an sich, sondern erfahren auch mehr über die Order 66. Daneben gibt es noch die unterschiedliche, oft tödliche, Tierwelt, die erforscht werden möchte. Damit gewinnt jeder Ort noch einen weiteren Aspekt, der das Gesamtbild abrundet.

Die Spieltwelt und die Geschichte sind dabei eigentlich linear gestaltet. Nebenquests sucht man vergebens. Lediglich die genannten Minigeschichten können hier wie eine Nebenquest wirken. Doch da sich die Wege komplex gestalten, verliert sich das Gefühl einer linearen Welt nahezu komplett. Auch die Möglichkeit, einen bereits besuchten Planeten jederzeit verlassen und zu anderen bekannten Planeten reisen zu können, versteckt das Lineare sehr gut. Außerdem findet man überall versteckte Outfits, Lichtschwertteile, Story-Geheimnisse und Abkürzungen – die dann auch die Rückwege wiederum erleichtern, was dazu führt, dass man gerne bekannte Areale erneut besucht. Insbesondere die Tatsache, dass man erst nach und nach neue Machtfähigkeiten hinzulernt, zwingt einen zudem zur Rückkehr, wenn man alles sehen und erkunden möchte.

All diese Fähigkeiten gehen unkompliziert von der Hand und fügen sich sehr gut ins Spielgeschehen ein. Mit dem Gamepad hat man es hier allerdings leichter, als mit Maus und Tastatur. Im Test habe ich die meiste Zeit allerdings mit Maus und Tastatur gespielt und hatte nur selten ungewollte Abstürze und Rollen in den Feind. Die eingefügten Rätsel sind knackig, überfordern aber niemals. Im schlimmsten Falle benötigte ich nur etwas mehr Zeit, bevor ich auf die Lösung eines Rätsels kam. Diese gestalten sich unterschiedlich; mal muss die Zeit verlangsamt werden, eine Kugel mit der Macht vor oder zurück bewegt werden oder durch das Hacken von BD-1 ein Stromkasten genutzt werden. Aufgelockert wird dies ganze durch die Akrobatikeinlagen. Als letztes Element kommt das Jedi-Handwerk im Lichtschwertkampf nicht zu kurz!

Viel Auswahl hat man hier auch nicht – Cal nutzt ausschließlich sein Lichtschwert als Waffe. Alternativ dient diese Jedi-Waffe auch als Taschenlampe in Höhlen und dunklen Gängen. Einzig die Macht und das Lichtschwert sind Cals Vertraute im Kampf – Blaster oder andere Teile werden gänzlich ignoriert und nicht genutzt. Dafür kann man die Einzelteile des Lichtschwerts an einer Werkbank anpassen. Doch handelt es sich hierbei um optische Gimmicks, welche genau wie die Kleidung oder der Style der Mantis oder von BD-1. Mir hat das Suchen nach diesen kosmetischen Anpassungen durchaus Spaß gemacht, wenngleich sie keinerlei Spielvorteile bieten.

Die Erkundung macht also durchaus Spaß – passiert manchmal aber auch eher aus Versehen. Die Holomap, welche BD-1 uns jederzeit anzeigen kann, bietet zwar mit bunten Bildchen immer einen Hinweis auf versperrte, freischaltbare oder freigeschaltete Wege, aber wirkt insgesamt eher verwirrend, als hilfreich. Mir hat es mehr gebracht, den Weg selbst zu suchen, insbesondere auf den Planeten, welche mehr als eine Eben hatten und damit die Holokarte zusätzlich kompliziert machten.
Leider passiert es immer wieder, dass man von einem Gegner in den Tod geschickt wird. Dann startet man von einen der Speicherpunkte, an dem man zuletzt meditiert hat. Hier kann schnell etwas Frust entstehen, da die Gegner wieder spawnen und man im Grunde für diesen Teil erneut durchspielen muss. Doch ist dies auch Teil des Spieles, und die Lernkurve, wenn man sich bewusst damit beschäftigt ist spürbar vorhanden.

Was mich sehr begeistert hat, war der Soundtrack und die Sounds im allgemeinen. Beim Sound spürt man das Star Wars Feeling durchgehend, beginnend beim Lichtschwertsound bis zur Kommunikation der Feinde. Der Soundtrack ist durchgehend gut gewählt und untermalt die Szenerie perfekt. Eine ganz besondere Sache sei erwähnt: Der Introsoundtrack, hier in dem Youtubevideo zu hören, stammt nicht von einer fiktiven Band – sondern von der mongolischen Band „The HU“. Der Titel heißt Black Thunder und wurde mit dem einbinden in dieses Spiel Kanon im Star Wars Universum. Die Band spielt auf traditionell mongolischen Instrumenten und kombiniert dabei den Sound mit Kehlkopfgesang und Heavy-Metal-Einflüssen.

Insgesamt ist Star Wars Jedi: Fallen Order ein  extrem gutes neues Star Wars Spiel, dass sich sogar in den Kanon einreiht. Die Geschichte ist spannend erzählt und bietet manche unvorhergesehene Wendung. Sowohl grafisch als auch vom Sound kann das Spiel überzeugen, wenngleich manche Designentscheidungen nicht immer vollständig verständlich sein müssen. Doch das bringt keinen Abbruch bei dem Spielverlauf oder der glänzenden Geschichte mit wenig erzählerischer Schwäche.

Review: Star Wars Jedi: Fallen Order – Möge die Macht in diesem Abenteuer mit dir sein!
8
Grafik
8.5
Sound
8
Steuerung
8.5
Spiele Spaß
7.5
Preis Leistung
Gesamtwertung 8.1 / 10
Unser Fazit
Ich bin ein Star Wars Fan, seit ich damals Episode 4 mit meinem Vater sehen konnte. Die gesamte Galaxie fesselt mich und begeistert mich schon immer und so war ich Feuer und Flamme als ich von Star Wars Jedi: Fallen Order gehört hatte. Nach Star Wars Jedi: Academy war es meine aktuellste größte Hoffnung, dass wir hier etwas erhalten, dass sich nicht nur lohnt, sondern auch absolut fesselt - und was soll ich sagen? Das hat das Spiel geschafft. Was hier abgeliefert wird ist ein nahezu perfektes Einzelspielerspiel mit Solo-Kampagne und ohne sinnlose Onlinenabindungen oder exklusiv Beigaben. In diesem Spiel funktionieren Kampfsystem und Geschichte super. Ein absolutes Star Wars Feeling - Must have für jeden Fan!

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Michael Barkow
Michael Barkowhttps://www.twitch.tv/gutertag_streaming
1989 erblickte ich das Licht dieser Welt - und bereits 1998 entdeckte ich das Zocken; damals noch mit Command & Conquer: Alarmstufe Rot von 1996. Seitdem bekommt mich die Gamingwelt nicht mehr los. 2005 begann dann für mich die Reise in World of Warcraft und die MMO-Szene hatte mich begeistert. Seitdem habe ich vieles gesehen und erlebt und hüpfe immer mal wieder von einem zum anderen MMO, da ich es nie ganz sein lassen kann. Mit meiner 2015 geborenen Tochter habe ich aber etwas gefunden, dass noch mehr Interesse und Begeisterung weckt. Da das Leben mit Familie tagsüber fesselt, habe ich das Streamen und Zocken am Abend für mich entdeckt. Somit bekommt das Zocken weiterhin seinen Platz in meinem Alltag.

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